, Bollag Jan
Dreitagestour
1. Etappe, ca. 80km (Estavayer-le-Lac bzw. Murten bzw. Ins bis Biel)
Wetterprognose: unsicher, gegen Abend Gewitter.
Als Patriot ist es Pflicht, den 1. August möglichst lange zu feiern. Entsprechend war die Zugfahrt in Richtung Welschschweiz früh angedacht. Kurz nach 7 Uhr stand jedoch nur ein Drittel der Reisegruppe am Perron im HB Zürich. Der zweite Drittel wollte ausschlafen oder hatte verschlafen, der Rest plante, sich der Reisegruppe erst auf der letzte Etappe anzuschiessen.
Aus Anlass eines wissenschaftlichen Forschungsprojektes unter dem Titel “Strassenbeläge für Inlineskater im Übergang von der Welsch- zur Deutschschweiz” nutzten Daniel und Jan die Gunst der Stunde bzw. der Kleingruppe. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass unsere Französisch sprechenden Mitbürger Betonbeläge bevorzugen, während in der Alemanischen Schweiz Asphaltbeläge favorisiert werden. Die ausführlichen Resultate können in einer der nächsten Ausgabe der Fachzeitschrift “Science” nachgelesen werden.
Konstanter Rückenwind erlaubte ein schnelles Vorwärtskommen. In Murten wuchs das Duo zum Trio. Co-Organisatorin Tabea stiess nach einem leicht missglückten Bremstest dazu. Eine Stunde später vervollständigte Julia die Gruppe zum Quartett. Mit dunklen, von der Jurakette herkommenden Wolken im Nacken näherte sich das Grüppchen planmässig Biel. Bei der abschliessenden Fahrt durch die zweisprachige Stadt kamen Erinnerungen an längst vergangene Zeiten auf. Tatsächlich fanden einst mitten durch das Zentrum Inlinerennen mit zahlreichen Teilnehmern statt...
Nach dem Nachtessen am Ufer des Bielersees ging es frühzeitig zurück ins Hotelbett. Von den 1.-August-Feierlichkeiten haben wir mit Ausnahme von ein paar Knallern nichts mitbekommen. Genau zur richtigen Zeit entluden sich ein paar Gewitterwolken und sorgten für Ruhe und angenehme Nachttemperaturen.
2. Etappe, ca. 80km (Biel-Olten)
Wetterprognose: unsicher, ab Mittag Gewitter.
Der erste Blick zum Fenster hinaus stimmte wenig zuversichtlich. Die Strassen waren nass und regengesättigte Wolken sorgten für düstere Stimmung. Das reichhaltige Frühstück war in diesem Moment eine willkommene Ablenkung. Nach der Sichtung verschiedener Niederschlagsradare stieg die Hoffnung auf Abtrocknung. Wir entschieden uns für die Weiterfahrt. Wie bereits am Vortag zog wieder Bedrohliches über unsere Helme, entlud seine Fracht aber vorläufig noch hinter, vor oder neben uns. In Solothurn angekommen zeigte sich unerwartet und erstmals auch die Sonne. Die pittoreske Altstadt und das Areufer luden zur Kaffeepause, zumindest für Julia und Tabea. Daniel und Jan liessen sich allerdings nicht täuschen. Als erfahrene Wetterschmöcker ahnten und rochen sie, was der Wettergott im Schilde führte. Sie entschieden sich, den Kantonshauptort und die beiden Reiseleiterinnen schweren Herzens zurückzulassen. Als Skater gilt immer noch: Der Weg ist das Ziel! Der Entscheid sollte sich als richtig herausstellen. Das erste Drittel der Reisegruppe erreichte den Schweizer Verkehrsknotenpunkt trocken und ersparte sich damit die aufwendigen Schuh- und Kugellagerreinigung. Kein Glück hatten Julia und Tabea. Petrus war erbarmungslos. Da half auch ein zappeliger, trostspendender Elefant wenig. Ein Bus musste her! Vermutlich der Müdigkeit geschuldet, blieb im Genanntem dummerweise ein Helm liegen. Ein Ersatz am Samstagabend war nicht mehr aufzutreiben. Dem gemeinsamen Abendessen in der Oltener Altstadt taten die sommerlichen Wetterkapriolen und der Sportausrüstungsverlust allerdings keinen Abbruch.
3. Etappe, ca. 60km (Olten-Baden)
Wetterprognose: unsicher, ab Abend Gewitter möglich.
Der Tag startete erneut mit einem grosszügigen Frühstück. Und weil das ITL auch auf Details achtet, gab es vor dem Start zur letzte Etappe eine angemessene Sonntagspredigt: kurz, prägnant, zum Nachdenken einladend und an den Gott der Eintracht appellierend!
Üblicherweise verkleinert sich eine Reisegruppe, die sportlich unterwegs ist, mit zunehmender Distanz. Wir hingegen wuchsen um zwei weitere Teilnehmerinnen, die am Bahnhof zu uns stiessen. Iris übernahm die Nachhut, ging nicht überraschend schnell verloren, schloss in Lenzburg nochmals auf und verabschiedete sich da frühzeitig wieder in den Zug.
Sabine war als Pacemakerin aufgeboten und verantwortlich für die Vorhut. Ihr sei gedankt, dass Daniel es doch noch schaffte, von einem kleinen Regenspritzer erwischt zu werden. Julia und Tabea wollten dem forciertem Tempo von Sabine keinen Tribut zollen und stiegen in Brugg unauffällig aus dem Rennen.
Da sich die mittlerweile zurückgelegte Distanz zunehmend körperlich bemerkbar machte und die Strecke immer öfters durch monotone Einfamilienhäuserauartiere führte, entschieden sich die verbleibenden Teilnehmer in Baden auf die Eisenbahnspur zu wechseln und den Anlass im HB Zürich alkoholisch ausklingen zu lassen.
Fazit 1
Gemäss Lanz und Precht: Hat Spass gemacht, viel gelernt!
Fazit 2
Das von Tabea in Umlauf gesetzte Gerücht, dass ein Teilnehmer ein Röntgengeräte im Rucksack mittransportiere, erwies sich nicht unerwartet als falsch.